____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Berliner Dialekt
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Der Berliner Dialekt (auch als Berliner Mundart, Berlinerisch oder Berliner Jargon bezeichnet) ist der Dialekt (oder Urbanolekt bzw. Metrolekt,cite-ref-p-rchi-anu-2014-1-0[1]cite-ref-2[2] bzw. Regiolekt),cite-ref-3[3]cite-ref-4[4] der im GroĂraum Berlin gesprochen wird. Im Zusammenhang mit einem oft derben, aber herzlichen Humor wird diese Ausdrucksweise auch als âSchnauze mit Herzâ (Berliner Schnauze) bezeichnet.cite-ref-5[5] Beim Berlinerischen handelt es sich sprachwissenschaftlich nicht um einen Dialekt, sondern um einen sonst selten anzutreffenden Metrolekt, eine in groĂstädtischen Zentren aus einer Mischung vieler unterschiedlicher Mundarten entstehende Stadtsprache. Die Entwicklung des Berlinerischen hat die Sprache des umliegenden Landes Brandenburg beeinflusst und das regionale, ursprĂźnglich in der Mark Brandenburg gesprochene Niederdeutsch verdrängt. Die stärkste Ausprägung hat diese âneueâ Sprache in den städtischen Bereichen Berlins erfahren. So existieren in Berlin bislang WĂśrter und Spitznamen, die noch nicht in die Sprache des Umlands Einzug gefunden haben. Als Sprache ist sie ständigen Wandlungen unterworfen, sodass verschiedene Angaben hier so vielleicht nicht mehr zutreffen. Zur Aussprache und Ăźblichen Schreibweisen siehe Berlinerische Grammatik.
Contents
⢠Geschichte
⢠Einflßsse
⢠Mundart
⢠Gegenwart
⢠Sprachelemente
⢠Grammatik
⢠Laute
⢠Redewendungen
⢠Berolinismen
⢠Textbeispiele
⢠Sprechbeispiele
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠WÜrterbßcher
⢠Tonträger
⢠Audio
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Geschichte
UrsprĂźnglich wurde der Berliner Raum von Germanen besiedelt, auf die auch der Name Havel, ein FlieĂgewässer im Westen Berlins, zurĂźckgehen soll. Später siedelten sich dann in mehreren Einwanderungswellen Slawen an, die bis zur Deutschen Ostsiedlung das Gebiet bewohnten und von deren frĂźherer Existenz noch Orts- und Flurnamen wie unter anderem Kladow, Buckow und KĂśpenick oder der Begriff Kiez zeugen.
Die Millionenstadt Berlin liegt im Bereich der Benrather Linie, stand also seit ihrer urkundlichen Ersterwähnung 1237 unter den EinflĂźssen des Niederdeutschen und des Mitteldeutschen. Mit der ab 1300 einsetzenden und sich ab etwa 1500 verstärkenden Zuwanderung u. a. aus den flämischen Gebieten des Heiligen RĂśmischen Reichs lassen sich zunehmend Veränderungen des in Berlin gesprochenen Ostniederdeutschen nachweisen bis hin zu seiner weitgehenden Aufgabe als Umgangssprache. So entstand ein eigener Metrolekt des Standardhochdeutschen mit klarer mitteldeutscher Basis, aber starkem niederdeutschen Substrat. Erst in jĂźngster Zeit griff dieser neue Dialekt auf das Umland Ăźber, das bis dahin ostniederdeutsch geblieben war. Das Berlinerische weist in einigen Eigenarten Parallelen zum KĂślnischen (âKĂślschâ) auf, das ebenfalls starke ZĂźge eines Metrolekts trägt und Ăźber Jahrhunderte durch Zuwanderung geprägt wurde (z. B. die charakteristische Anlautverweichung, beispielsweise jut, jehen).
Bis ins 18. Jahrhundert hinein war die allgemeine Umgangssprache ein märkischer Dialekt, der im späten 18. Jahrhundert durch eine mitteldeutsche Ausgleichsmundart auf obersächsischer Basis verdrängt wurde. Sie ähnelt Entwicklungen in anderen niederdeutschen Regionen, die Missingsch-Dialekte zuerst als Mischsprache mit der Kanzleisprache entwickelten und sich im Gebrauch als Umgangssprache wandelten. Die neu entstandene Ausgleichsmundart, die dem heutigen Berlinischen sehr ähnlich war, ßbernahm aus den angrenzenden niederdeutsch sprechenden Gebieten einzelne WÜrter (ick, det, wat, doof).
Während Berlin seit 1871 einem immer stärkeren Zuzug vor allem aus Sachsen und Schlesien ausgesetzt war, der die niederdeutschen Sprachelemente zurĂźckdrängte, kam es nach 1945 und nochmals nach 1961 zu groĂen Abwanderungswellen nach Westdeutschland. Da Berlin in der jetzigen Form erst 1920 entstand, gilt als Kerngebiet des Berlinischen die Fläche der heutigen Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Dazu kommen die Gebiete von Charlottenburg und Prenzlauer Berg innerhalb der Ringbahn der S-Bahn. Hier befanden sich jene Stadtteile, die besonders den genannten EinflĂźssen ausgesetzt waren. Die äuĂeren Ortsteile waren Ăźber Jahrhunderte Teil von Brandenburg, ohne intensiven Kontakt zum Berlinischen.
So wird angenommen, dass in Berlin als wichtiger Handels- und Verwaltungsmetropole schon frĂźh ein erhĂśhter Druck zur Verwendung des Hochdeutschen bestand, das als Superstrat auch auf die Umgangssprache der Bediensteten, Arbeiter und Mägde Ăźbergriff. Durch die immer grĂśĂer werdende Bedeutung Berlins als preuĂische Metropole strahlte die Berlinische Stadtmundart bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts in das Berliner Umland aus, wobei sie zunächst als Verkehrssprache neben den angestammten Dialekten bestand, diese aber schlieĂlich ganz verdrängte. Dieser Dialektwechsel dauert bislang an, und der Druck zum Hochdeutschen hat sich in der jĂźngeren Vergangenheit durch den wiedererlangten Status Berlins als gesamtdeutsche Hauptstadt wieder erhĂśht.
Zwischen 1949 und 1989 verlieĂen eine Million Berliner die Stadt. Gleichzeitig kam es in Ost- wie West-Berlin zu bedeutenden ZuzĂźgen aus dem sĂźd-, ost- und westdeutschen Raum (Sachsen, Baden-WĂźrttemberg, NRW). Dazu kam die Aufnahme von Einwanderern aus der TĂźrkei, Jugoslawien, Italien und dem Libanon. Dies fĂźhrte zu einer starken Verdrängung des Berlinerns aus dem Alltag. Viele Neuberliner nahmen zwar Teile des Dialekts an, die Verwendung des Dialekts wurde â ebenso wie bei Dialekten in anderen Regionen Deutschlands â zunehmend als âunfeinâ, âproletarischâ oder âungebildetâ betrachtet. So liegen die Zentren des Dialekts vor allem in den Stadtrandgebieten wie Spandau, Reinickendorf, Lichtenrade, Alt-Mariendorf und in Ostbezirken, wo das Berlinern zu DDR-Zeiten weniger verpĂśnt war als im Westen. Andererseits ist der Anteil Auswärtiger in der Stadtmitte hoch und innerhalb des S-Bahn-Rings wird Dialekt kaum gesprochen.
Unverändert wird die Sprache in Berlin von Zuwandererwellen geprägt und bleibt dementsprechend unbeständig. Die (Anfang der 1990er Jahre) zugewanderten Russlanddeutschen haben einen eigenen Dialekt entwickelt, der nur langsam ins Berlinische Ăźbergeht. Im Schnitt ist nur ein Viertel der Berliner in Berlin geboren (âwaschechteâ Berliner) und konnte somit den einheimischen Dialekt bereits im Kindesalter erlernen. Durch die Verbreitung im Funk und Fernsehen wurde der Berliner Dialekt dennoch in allen Teilen Deutschlands seit Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt. Dabei fand er häufig Gefallen von Nicht-Berlinern, die bestimmte â an West-Berlin orientierte â Grundregeln als âStandard der Berliner Mundartâ verbreiteten. Dadurch wurden allerdings die historischen Varianten verwischt, sodass fälschlich kolportiert wird, der Berliner Dialekt wĂźrde in den lautlich eng verwandten Sprachgebieten des nĂśrdlichen Brandenburg und Sachsen-Anhalt ebenso gesprochen wie in Berlin (âberlinernâ). Ungeachtet dessen bestehen verwandtschaftliche Beziehungen, auch zum Neu-Altmärkischen im Norden Sachsen-Anhalts.
Gleichzeitig weitete sich, vor allem seit der ReichsgrĂźndung 1871, der Einfluss des Berlinischen auf das Umland, das bis dahin ostniederdeutsch geblieben war, aus. Die sĂźdmärkischen Dialekte haben sich so klar aus dem ostniederdeutschen Mark-brandenburgisch entwickelt, werden gegenwärtig jedoch oft dem ostmitteldeutschen zugeordnet, dem sie durch die Ăberformung näher stehen. Während der Datenerhebung fĂźr den Deutschen Sprachatlas (1880er Jahre) wurden in zahlreichen Orten, die zum Stadtgebiet Berlins gehĂśren, niederdeutsche Mundarten oder niederdeutsch-berlinische Mischmundarten gesprochen.
Berlin hat Anteil an vielen im gesamten ostmitteldeutschen Sprachraum verbreiteten sprachlichen Eigenheiten. Viele Besucher halten diese Eigenheiten â eigentlich zu Unrecht â fĂźr âtypisch berlinischâ. Als Beispiel kann die oft missverstandene Uhrzeitangabe âdreiviertel FĂźnfâ fĂźr 16:45 Uhr sowie âviertel FĂźnfâ fĂźr 16:15 Uhr dienen, die tatsächlich in weiten Teilen Ost- und SĂźddeutschlands sowie Ăsterreichs gebräuchlich ist.cite-ref-6[6]
âMode is et heutâ, det die meisten Leute schimpfen uff det âBabale an der Spreeâ. Dieset Wutjekeife, det ich nich bejreife, duht mir in de tiefste Seele weh. Hat ooch seine Reize â wat ick ohne Neid seh â MĂźnchen, Frangfurt, âDräsenâ und Polzin: det war wirklich klassig, wat patent un rassig, Mensch! det jiebt et doch bloĂ in Berlin!â
â
Walter Mehring, um 1900
âGeorg Hermann sagt einmal sehr fein und richtig, das Berlinische liegt nicht in den Worten, nicht im Reichtum von Bildern, auch nicht im âickâ und âdetâ. Es bestehe in der Denkweise und im Ton, in der Melodik oder Unmelodik, mit der so ein Satz hingelegt wird. Man kĂśnne, wenn man Ohr hat, heraushĂśren, aus welcher Stadtgegend der Sprecher stamme [âŚ] Dann gibtâs noch den unrichtigen Berliner. Das ist der, der am meisten berlinisch spricht, in andern Orten alles abscheulich findet, mäkelt und stänkert und der in Wirklichkeit gar nicht aus Berlin stammt. Also Achtung vor dem unrichtigen Berliner!â
â
Hans Ostwald
:
Der Urberliner. Neue Folge.
EinflĂźsse
Im Kern ist das Berlinische ostmitteldeutsch geprägt, mit Einflßssen aus dem mittelmärkischen (niederdeutschen) Substrat, aus dem es hervorgegangen ist, v. a. im Vokalismus und bei FunktionswÜrtern. Im bekannten Vers Icke, dette, kieke ma, Oogen, Fleesch und Beene, wenn de mir nich lieben tust, denn lieb ick mir alleenecite-ref-9[9] sind nur zwei Worte (lieben/lieb, tust) klar mitteldeutschen, drei (icke/ick, dette, kieke) klar mittelmärkischen Ursprungs, eines (mir statt mich, aufgrund des Zusammenfalls beider Formen in nd. mi) zeigt mittelmärkisches Substrat, zehn Worte (ma, Oogen, Fleesch, und, Beene, wenn, de nich, denn, allene), sind Formen, in denen Ostmitteldeutsch und Mittelmärkisch ßbereinstimmen.
Lange Zeit wurde das Berlinische (oder Berlinerische, wie der Berliner sagt) als Verballhornung des Hochdeutschen betrachtet. Diese Sicht ergab sich gerade durch den allgegenwärtigen Sprachwitz der Berliner, der gern mit Verschiebungen aufgeschnappter Begriffe arbeitet. Als Zentrum Brandenburgs, PreuĂens, des Deutschen Reiches, der DDR (Ost-Berlin) und als Bundeshauptstadt Deutschlands war Berlin immer Zentrum von Handel, Verkehr, Aus- und Zuwanderung. FĂźr die Sprache waren verschiedene EinflĂźsse wichtig.
Berlinisch hat durch den Zuzug vieler BevÜlkerungsgruppen eine Reihe von Worten und Redewendungen aufgenommen, die sowohl Dialekten und Umgangssprachen Zugewanderter entstammen und nicht im deutschen Sprachraum geläufig sind. Durch die starke sprachliche Verschleifung ist die Herkunft oft kaum zu erkennen. Eine Reihe von WÜrtern entstammen dem Rotwelschen.
⢠Das FranzĂśsische wirkte durch die Hugenotten und die Napoleonische Besetzung. Der preuĂische KĂśnigshof nutzte es ohnehin, wie fast alle Adligen vor allem des 18. Jahrhunderts, als Umgangssprache im Streben, Versailles zu kopieren; hierzu trug Voltaire durch seine enge Beziehung zu Friedrich II. bei.
⢠Hebräischer Einfluss durch Juden, die als FlĂźchtlinge im 16. und 17. Jahrhundert (z. B. 1671 aus Ăsterreich) nach Berlin kamen.
⢠Das Polabische, das bis in das späte Mittelalter im Raum Berlin-Brandenburg gesprochen wurde, aber auch das Wendische im Berliner Einzugsgebiet waren die anfänglichen Einflßsse der Slawischen Sprachen. Im Weiteren beeinflusste das Polnische aus Schlesien und das Tschechische aus BÜhmen durch Ansiedlung seit dem 15. Jahrhundert. Die Ansiedlung von russischen Einwanderer etwa nach der Oktoberrevolution, später den Spätaussiedlern brachte Einflßsse aus dem Russischen im 19. und 20. Jahrhundert hinzu.
Viele der typischen Berliner AusdrĂźcke lassen so den RĂźckschluss auf ihren Ursprung zu. So soll die Redensart âMir is janz blĂźmerantâ von franzĂśsisch âbleu mourantâ (âblassblauâ; âsterbend blauâ) stammen.
Als Berlinisch wird oft fälschlicherweise der Ausspruch âMach keene Fisimatentenâ genannt, das angeblich die Berliner aus âvisitez ma tenteâ (franzĂśsisch Besuchen Sie mein Zelt) entwickelt haben sollen. Dieser Ausdruck ist ebenso in anderen, durch franzĂśsischen kulturellen Einfluss und militärische Besatzung geprägten Regionen verbreitet, so etwa in der Pfalz und im Rheinland. Der Ăberlieferung nach riefen dies franzĂśsische Soldaten während der Zeit der franzĂśsischen Besetzung der Stadt unter Napoleon den jungen Berliner Mädchen hinterher. Bei den MĂźttern der Mädchen fĂźhrte das zu der ernsten Ermahnung, keine âFisimatentenâ zu machen. Andere Erklärungen reichen auf ältere UrsprĂźnge zurĂźck.cite-ref-honnen-ak-71-ff-10-0[10]
Die berĂźhmte Berliner Bulette ist eine Eindeutschung der franzĂśsischen âBouletteâ, des (Fleisch)-Bällchens.
Mundart
Durch die allgemein weitgehende Verwendung von Begriffen des Hochdeutschen gab es bisher keine Notwendigkeit fĂźr einen schriftlichen Gebrauch und das Berlinische bleibt eine Mundart. Das mag darauf zurĂźckzufĂźhren sein, dass Berlinisch innerhalb der Region lange Zeit als Dialekt der einfachen Leute verpĂśnt war. Die Bildungsschicht bemĂźhte sich stets distanzierend um einwandfreies Hochdeutsch. Der Wortschatz des Berlinischen ist im Brandenburg-Berlinischen WĂśrterbuch erfasst und beschrieben.
Bei der schriftlichen Fixierung des Berlinischen herrscht Unsicherheit, da jeder Sprecher die Lautung verschieden stark einsetzt und je nach Gelegenheit stärkere hochdeutsche oder stärker âberlinerndeâ Lautung verwendet. Einen Konsens zur schriftlichen Fixierung gibt es nicht. In BĂźchern wählt jeder Verleger eine eigene Variante. Die Ăźberwiegende Zahl der Publikationen mit eingebetteten berlinischen Texten verwendet eine hochdeutsche Rechtschreibung, bei der Buchstaben, Buchstabengruppen oder ganze Worte ersetzt werden, wenn sie in der Mundart stark von der Ăźblichen Aussprache des Hochdeutschen abweichen. Dies ermĂśglicht gewĂśhnlich jedem Deutschsprechenden, nach kurzer EingewĂśhnungszeit zum Erlernen der Ersetzungen, die Berlinischen Texte zu verstehen. Erschwert wird dadurch die Suche nach Belegen.
Gegenwart
Das Berlinische ist das zentrale Idiom eines Regiolektgebiets, das sich ßber Berlin, Brandenburg und Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts erstreckt. Im brandenburgischen Umland gilt Berlinisch seit dem 20. Jahrhundert als selbstverständlicher, umgangssprachlicher Standard. Doch in der Stadt selbst, vor allem in West-Berlin, entstanden durch Zuzug und bildungsbßrgerliche Dialektflucht Entwicklungstendenzen des Berlinischen zu einem Soziolekt.
Die sĂźdmärkischen Dialekte zeichnen sich durch eine fast hochdeutsche Aussprache mit einigen Synkopen und Apokopen aus, die aber in den meisten deutschen Mundarten gleich sind. Dennoch bleibt Berlinisch vor allem wegen der starken Zusammenziehungstendenzen Ăźber mehrere WĂśrter und der Anpassung selbst von FremdwĂśrtern und Anglizismen dem oberdeutschen Sprecher gewĂśhnungsbedĂźrftig. Besonders zu erwähnen dabei ist das âwah?â, das so viel bedeutet wie ânicht wahr?â. Bis auf den SĂźdosten (Neulausitzisch und Niederlausitzer Mundart) des Verbreitungsgebietes wird Ăźberall meist das g am Wortanfang zu j, also âjutâ statt âgutâ.
Gelegentlich findet sich das Berlinische in der Werbung wieder, um ein Lokalkolorit zu unterstreichen.
Sprachelemente
Grammatik
â
Hauptartikel
:
Berlinerische Grammatik
Die Grammatik und dazugehÜrende Syntax weichen zum Teil deutlich von der Hochsprache ab, in Brandenburg oft stärker als in Berlin.
Die Konjunktionen erscheinen in alter Form, also âals wieâ statt âwieâ, âdennâ statt âdannâ und âwennâ statt âwannâ, âwieâ = âalsâ, âworumâ statt âwarumâ.
Personalpronomen
Der Akkusativ und Dativ werden kaum unterschieden. Im Akkudativ nutzt der Berliner sowohl fĂźr âmirâ als auch fĂźr âmichâ den Universalausdruck âmirâ. âDer Berlina sacht imma mir, ooch wenn et richtich isâ (Volksmund).cite-ref-ostwald-7-1[7]cite-ref-11[11] Allerdings findet sich schon 50 Kilometer sĂźdlich der sĂźdbrandenburgische âMichelâ, der prinzipiell den Akkusativ benutzt: âBring mich mal die Zeitungâ.
Fßr den Hang des Berliners, mir statt mich zu verwenden, wird eine niederdeutsche Grundlage gesehen; die oft gerßgte mangelnde Unterscheidung von Akkusativ und Dativ entspricht dem Brandenburger Niederdeutschen, wo die Pronomina mir/dir und mich/dich in beiden Fällen gleich lauten, nämlich mi/di oder mai/dai.
FĂźr das Hochdeutsche ich wird in Berlin ick beziehungsweise zur Steigerung icke verwendet.
Ein Beispiel fĂźr diese berlinerische Grammatik ist der Berliner Spruch âIcke, dette, kieke mal, Oogn, Fleesch und Beene, wenn de mir nich lieben tust, lieb ick mir alleene.â (âIch, das, schau mal, Augen, Fleisch und Beine, wenn du mich nicht liebst, liebe ich mich alleine.â)
Ăbersichtstabelle:
| | 1. Pers. Sg. | 2. Pers. Sg. | 3. Pers. Sg.: m. / f. / n. | 3. Pers. Sg.: m. / f. / n. | 3. Pers. Sg.: m. / f. / n. | 1. Pers. Pl. | 2. Pers. Pl. | 3. Pers. Pl. | HĂśflichkeitsform |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Nominativ | ick icke (gesteigert) | du -e ( enklitisch ) | er -er (enklitisch) | sie se, -se (enklitisch) | et -âs, -s (enklitisch; historisch junges Phänomen) | wir wa, -wa (enklitisch) mer (enklitisch und assimiliert) | ihr | sie se (enklitisch) | Sie |
| Akkudativ | mir | dir | ihn | ihr | et -âs, -s (enklitisch; historisch junges Phänomen) | uns | euch | sie se (enklitisch) | Sie |
Das Berliner Er/Wirberliner-er
Das Berliner Er ist eine in Berlin manchmal noch anzutreffende Form der Anrede, die frĂźher im deutschsprachigen Raum allgemein als eine mĂśgliche Anredeform gegenĂźber Untergebenen und rangniederen Personen benutzt wurde (siehe: Erzen).cite-ref-12[12] Hierbei wird die dritte Person Singular als Anrede genutzt. So kann es vorkommen, dass in Berlin gefragt wird: âHatter denn oochân jĂźltâjen Fahrausweis?â (âHat er denn auch einen gĂźltigen Fahrausweis?â) oder âHattse denn die fĂźmfcite-ref-13[13] Euro nichân bisken kleena?â (âHat sie denn die fĂźnf Euro nicht ein bisschen kleiner?â â Bedeutung: âHatterâ = âHat erâ und âHattseâ = âHat sieâ).
Teilweise mag noch die Redewendung in der ersten Person Plural geläufig sein (Pluralis Benevolentiae oder Krankenschwester-Plural): âNa, hamwa nu det richtâje JesĂśff jewählt?â oder âDa warn wa wohlân bisken fix, wa?â. Vergleiche dazu die herrschaftsbetonte Selbstbezeichnung im Pluralis Majestatis, die gegenĂźber sozial Gleich- oder Niedergestellten in der Neuzeit noch zuweilen als spĂśttische Anrede verwendet wird.
Siehe auch
:
Hamburger Sie
und
MĂźnchner Du
Laute
âjâ statt âgâ
Die lokale Lautung hat ebenfalls viele Besonderheiten. Zugezogene bemerken zuerst den Ersatz von g durch j. Das g wird eigentlich als ein Frikativ-Laut ÉŁ erhalten (Velare Spiranz wird zur Palatalen Spiranz), das insbesondere nach dunklen Vokalen eher wie hochsprachliches r klingt, jedoch nach den hellen Vokalen und Halbvokalen i, e, l, r wird der Laut als j gesprochen, ebenso im Anlaut (âGarageâ zu âJarascheâ). In vielen hochdeutschen Dialekten wurde der Frikativ schon im frĂźhen Mittelalter zu einem Plosiv, der das standarddeutsche g darstellt.
Monophthonge
Viele Diphthonge werden zu langem Monophthong: au zu oo, ei zu ee. Dies geschieht jedoch nur, wo ei/au schon im Mittelhochdeutschen, bzw. ee/oo schon im Niederdeutschen vorlagen. So wird zwar ein (mhd. ein) â een (nd. een) und Rauch (nĂśrdliches mhd. rauch) â Rooch (nd. rook; vgl.: Ick rooch mir eene.), aber es bleiben zum Beispiel Eis (mhd./nd. ĂŽs) und Haus (mhd./nd. hĂťs). Diese Verteilung entspricht sowohl dem Niederdeutsch der Mittelmark, das vor Eindringen des Hochdeutschen in Berlin gesprochen wurde, als auch dem Osterländischen, dem deutschen Dialekt, der das Niederdeutsche in Berlin ursprĂźnglich ablĂśste. Das Osterländische verbreitete sich in Berlin durch Handelsbeziehungen mit der Stadt Leipzig und galt in der frĂźhen Neuzeit durch das Renommee Sachsens als Prestigedialekt.
Hochdeutsche Lautverschiebung
Als mitteldeutscher Dialekt an der Grenze zum Niederdeutschen hat das Berlinische die zweite Lautverschiebung in einigen Fällen nicht durchgefĂźhrt und behält, wie das Ripuarische, einige verbliebene Reliktworte sowie geminiertes âpâ: âdetâ/âditâ fĂźr âdasâ, âwatâ fĂźr âwasâ und âetâ fĂźr âesâ sowie âAppelâ und âKoppâ fĂźr âApfelâ und âKopfâ. Das Beibehalten von âpâ statt âpfâ entspricht ebenfalls dem Osterländischen.
Beschleunigung durch Zusammenziehung
Der Berliner zieht WĂśrter, die im Hochdeutschen eigentlich auseinandergeschrieben werden, oft zusammen: aus (a)uf dem wird uffm.
Redewendungen
Das Berlinische kennt viele Redewendungen, die teils auĂerhalb Berlins bekannt geworden sind. Hier sind einige aufgefĂźhrt:cite-ref-14[14]
⢠âJWDâ = âjanz weit drauĂenâ.
⢠âNa Mann, du hast heutâ aba wieda âne Kodderschnauzeâ, ist sowohl negativ wie positiv gemeint. Kodderig steht fĂźr âĂźbelâ sein (vom Befinden), und gleichzeitig fĂźr âfrech, unverschämtâ (ähnlich wie âschäbbigâ im Ruhrdeutschen/Westfälischen). âNe koddrige Schnauzeâ ist ein âloses Mundwerkâ, das zu allem und jedem âseinâ Senf beijehm mussâ (seine â meist ĂźberflĂźssigen â Kommentare dazugeben muss). Eine Randbemerkung ist so nicht ursächlich beleidigend gemeint, auch wenn sie in anderen Kreisen nur gesagt wĂźrde, wenn sie beleidigen soll. Ăber solche Sätze gehen die Berliner schlicht hinweg und geben einfach einen ähnlichen Satz zurĂźck. Die so entstehenden âGesprächeâ sind noch immer in den Berliner StraĂen zu hĂśren, wenn auch bisweilen in hochsprachlicher Lautung. Die sprachlichen und kulturellen Besonderheiten werden miteinander in Verbindung gesehen: Wer berlinert, dem werden auch ein paar lose SprĂźche zugetraut.
⢠Auch die Redensart âbis in die Puppenâ geht auf eine Berliner Lokalität zurĂźck: Im 18. Jahrhundert war im Tiergarten der Platz GroĂer Stern mit Statuen geschmĂźckt, die typisch-lapidar âDie Puppenâ genannt wurden. Wer sonntags besonders weit flanierte, spazierte also âbis in die Puppenâ.
⢠âDa kamma nich meckan.â â angeblich das grĂśĂte Lob, das der Berliner zu vergeben hat.
Berolinismen
â
Hauptartikel
:
Berolinismus
Der Berliner Volksmund ist berĂźhmt dafĂźr, allgegenwärtig mit Spitznamen durchsetzt und vergleichsweise ruppig zu sein. Wie bei allen Spitznamen (im 17. Jahrhundert spitz = verletzend) handelt es sich meist um Spottnamen, die einen kurzen Ersatznamen fĂźr den realen Namen geben, der sich aus den Charakteristika der Sache oder der Person ergibt. Sie werden als Berolinismen bezeichnet. Viele der in ReisefĂźhrern und ähnlichen Publikationen genannten Spitznamen sind in der Berliner Alltagssprache kaum gebräuchlich. Ein Beispiel dafĂźr ist die Bezeichnung âTelespargelâ fĂźr den Berliner Fernsehturm. Dieser â von offizieller Seite erfundene â Spitzname fand im Volksmund nur wenig Verbreitung.cite-ref-15[15]
Weitere Textbelege
Aussprachebeispiele
Im Folgenden markiert der Doppelpunkt eine Entsprechung oder Wortgleichung, in der Form Standarddeutsche Form: Berliner Dialektform. Beide Sprachformen sind unabhängig voneinander auf der Grundlage älterer Dialekte entstanden; es wäre falsch, davon auszugehen, eine der beiden Formen sei aus der anderen hervorgegangen. Manche Berliner Dialektformen bewahren niederdeutsche Formen, die die hochdeutsche Lautverschiebung oder die Diphthongierung langer geschlossener Vokale nicht aufweisen, oder sonst ursprĂźnglicher sind, z. B. der Wechsel f â v in doof â dove, der im Niederdeutschen und Ăźbrigens auch im Niederländischen regelmäĂig ist und nur im Standarddeutschen aufgegeben ist, jedenfalls im SĂźden, da er den dort heimischen Dialekten fremd ist.
⢠auch: ooch []
⢠auf []: uff []
⢠bisschen []: bisken / bissken []
⢠dann []: denn [] (n [] bei Verschmelzung: was ist denn? []: wat is ân? [], verkĂźrzt: watân? [])
⢠das []: det [] / dit []
⢠die []: die [] / de [] (ne [] bei Verschmelzung: in die []: inne [] Beispiel: âIck jehâ inne Wanne.â)
⢠doofe []: dove []
⢠ein []: ân [] (unbestimmter Artikel)
⢠es []: et [] (t â[â tâ ]â, zum Teil auch s, bei Verschmelzung: wenn er es []: wennat [], geht es: jeht et, aber verkĂźrzt jehtâs; letzteres ist aber ein historisch junges Phänomen)
⢠-es []: -et [] (alles []: allet [])
⢠etwas [] / was []: wat/watt []: Haste wat zu melden?
⢠fßnf []: fßmve []: Vergleiche: Da lasse wa mal fßnfe/fßmve jrade sin.
⢠gucken []: kiekân []
⢠ich []: ick []
⢠kein []: keen [] (mit Suffixen -e, -er, -s; Beispiel: âHam se/wa keene WĂźrschte mehr?â)
⢠nein []: nÜ [] / nee []
⢠nicht []: nich []
⢠nichts []: nßscht [] / nichs [] / nix []
⢠Schnauze: Schnute (im Sinne von âMundâ bzw. âGesichtâ bei: âZieh nich so âne Schnute!â), alternativ: Fresse
⢠solche []: so âne [] (auch fĂźr die Mehrzahl)
⢠und []: un/unâ []
⢠viele []: ville [] oder vßlle []
⢠weil []: wall []
Textbeispiele
â Die Ărzte: Die AllerschĂźrfste, Album Die Bestie in Menschengestalt, 1993cite-ref-16[16]
_______________________________________
â Ewald Harndt: FranzĂśsisch im Berliner Jargon. Das Neue Berlin, Berlin 1967; sowie Online in der Google-Buchsuche, Jaron-Verlag, Berlin 2005cite-ref-17[17]
__________________________
â Anonym: aus Hans Ostwald:cite-ref-ostwald-7-2[7] Der Urberliner
________________________________________
Budiker Friebel 1780, Molkenmarkt 11cite-ref-ostwald-7-3[7]
Meine Wurscht is jut,
wo keen Fleisch is, da is Blut,
wo keen Blut is, da sind Schrippen,
an meine Wurscht ist nich zu tippen.
________________________________________
âUnd was ist ihr Beruf, Fräulein?â â âIck arbeete uff Strom!â â âDann hat ihr Vater einen Kahn?â â âAch nee, uff die A.E.G.â
â
Berufszählung
________________________________________
Sprechbeispiele
Einige Synkopen:
⢠jehn â gehen
⢠kehna â keiner
⢠Wattân? â Was denn?
⢠haste â hast du
⢠Der Hamma liecht uffm TĂźsch. â Der Hammer liegt auf dem Tisch.
⢠Jips jibs inna JipsstraĂe. Jibs da keen Jips, jibs jar keen Jips. â Gips gibt es in der GipsstraĂe. Gibt es da keinen Gips, gibt es gar keinen Gips.
⢠Ne jut jebratne Janz is ne jute Jabe Jottes. â Eine gut gebratene Gans ist eine gute Gabe Gottes.
⢠Dit jibs ja janich â Das gibt es ja gar nicht
⢠Dit is ja JWD. (janz weit drauĂn / ganz weit drauĂen) â im Sinne von weit weg, auĂerhalb
⢠Watt sollân dit? â Was soll denn das?
⢠Ick kanns nich globân. â Ich kann es nicht glauben.
⢠Allet juht â Alles gut
⢠Ick habâ â Ich habe
⢠Dit hamm' wa â Das haben wir
Verwandtschaft:
⢠die Keule â kleiner Bruder
⢠der Atze â groĂer Bruder (auch im Sinne von âenger Freundâ)
⢠die Schwelle â Schwester
⢠die Ollen â Eltern
⢠meene Olle â meine Ehefrau
⢠die Ische â Lebensabschnittsgefährtin
Zusammenziehungen:
⢠â(de)tjibs(do)onich! (de)tkannowo(l)nneewas(e)in!â â Das gibt es doch nicht! Das kann doch wohl nicht wahr sein!
⢠â(de)thajkda schomaj(e)sacht. (de)twĂźrd nienlehmwat.â â Das habe ich dir schon mal gesagt. Das wird nie im Leben was.
⢠âIkrij(e)tnich hin. Kannstma kiekn?â â Ich kriege es nicht hin. Kannst du mal gucken?
Siehe auch
Literatur
WĂśrterbĂźcher
⢠Der kleine Duden, Sonderausgabe Berlin. Dudenverlag, Mannheim 2005, ISBN 3-411-14072-0.
⢠Jens Runkehl (Zusammenstellender): Lilliput Berlinerisch. Langenscheidt, Berlin/Mßnchen 2017, ISBN 3-468-19913-9.
⢠Peter Schlobinski: Berliner WÜrterbuch. Arani Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-7605-8640-6.
⢠Joachim Wiese: Kleines Brandenburg-Berliner WÜrterbuch. Reclam, Leipzig 1996, ISBN 3-379-01574-1
⢠Theodor Constantin: Berliner SchimpfwÜrterbuch. 8. Auflage. Edition Jule Hammer. Haude & Spener, Berlin 1984, ISBN 3-7759-0236-8.
⢠Hans Ostwald: Berlinerisch (= Was nicht im WÜrterbuch steht. Band II). Piper Verlag, Mßnchen 1932.
⢠Norbert Dittmar, Peter Schlobinski, Inge Wachs: Berlinisch â Studien zum Lexikon, zur Spracheinstellung u. zum Stilrepertoire; [Forschungsprojekt Stadtsprache]. Berlin Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-87061-914-7.
Tonträger
⢠80 Lieder mit Berliner Schnauze â Heimweh nach Berlin. 4 CDs. Membran Music, Vertrieb Grosser und Stein 2005, ISBN 978-3-86562-233-4.
⢠Habn Sie âne Ahnung von Berlin! â Heitere Lieder und Couplets von Otto Reutter. Hrsg. von Helga Bemmann. Parthas Verlag, Berlin 2002, ISBN 978-3-932529-44-3.
SprachfĂźhrer und Beispiele
⢠Sibylle Kohls: Kauderwelsch, Berlinerisch, das Deutsch der Hauptstadt. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2011, ISBN 3-89416-508-1.
⢠Adolf GlaĂbrenner: âne scheene Jejend is det hier!â: Humoresken, Satiren, komische Szenen. Berlin 1986, Eulenspiegel Verlag.
⢠Jana Mussik: Der Berliner Dialekt von Adolf GlaĂbrenner: ââŚne scheene Jejend is det hier!â GRIN Verlag, 2018, ISBN 3-668-81959-9.
⢠Hans Meyer, Siegfried Mauermann, Walther Kiaulehn: Der richtige Berliner: in WÜrtern und Redensarten. ISBN 3-406-64931-9 (Nachweis von Digitalisaten älterer Ausgaben auf Wikisource).
⢠Roland Putzker (Illustrator): Sprechen Sie Berlinerisch? Fßr Berliner und solche, die es noch werden wollen. Tosa Verlag, 2006, ISBN 3-902478-40-3
⢠Jan Eik und Jutta Voigt: Der Berliner Jargon. Jaron Verlag, 2018, ISBN 978-3-89773-852-2.
⢠Gisela BuddĂŠe: Wat dem Berliner det Leben lernt: Berlinisch von AâZ. Ellert & Richter Verlag, 2009, ISBN 3-8319-0380-8.
⢠Edda Prochownik: Da kiekste, wa?! Berlinisch â eine Sprache mit Humor. Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung, 1995, ISBN 3-7759-0268-6.
⢠Ick kieke, staune, wundre mir: Berlinerische Gedichte von 1830 bis heute. Die Andere Bibliothek, 2017, ISBN 978-3-8477-2018-8.
⢠Sarah BĂśhme: Die Berliner Schnauze â Am Beispiel der gesprochenen Sprache der Komiker/innen Helga Hahnemann und Kurt KrĂśmer. GRIN Verlag, MĂźnchen 2010, ISBN 978-3-640-70374-6.
⢠Norbert Dittmar, Ursula Bredel: Die Sprachmauer â die Verarbeitung der Wende und ihre Folgen in Gesprächen mit Ost- und WestberlinerInnen. Weidler Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89693-143-1.
⢠Brigitte Grunert: Die Berliner Mundart: Ein Sprach(ver)fßhrer. Berlin Edition im be.bra Verlag, 2003, ISBN 3-8148-0094-X.
Geschichtliche Entwicklung
⢠Norbert Dittmar, Peter Schlobinski: Wandlungen einer Stadtsprache â Berlinisch in Vergangenheit und Gegenwart. Colloquium Verlag, 1988, ISBN 3-7678-0704-1.
⢠Agathe Lasch: âBerlinischâ. Eine berlinische Sprachgeschichte. Hobbing, Berlin 1928. zlb.de.
⢠Ewald Harndt: FranzÜsisch im Berliner Jargon. Neuausgabe. Berlin 2005, ISBN 3-89773-524-5.
⢠Joachim Schildt, Hartmut Schmidt: Berlinisch â Geschichtliche EinfĂźhrung in die Sprache einer Stadt. Akademie Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-05-000157-7.
Populärliteratur
⢠RenĂŠ Goscinny, Albert Uderzo: Asterix balinat 1 â Die Platte jottweedee. Ăbatrajn von Silke Knocke und Sven Kugler. Mundart, Buch 20, Delta Valach, Stuttjaat 1998, ISBN 3-7704-2255-4.
⢠RenÊ Goscinny, Albert Uderzo: Asterix Mundart Berlinerisch II: Asterix und det Pyramidenluda. Egmont Comic Collection, 2002, ISBN 3-7704-2289-9.
⢠Disney: Lustiges Taschenbuch Mundart â Berlinerisch. Egmont Ehapa Media, 2018, ISBN 3-8413-2409-6.
⢠Jennifer Sindral, Lewis Carroll: Alice im Wunderland auf berlinerisch. Kindle-Ausgabe.
⢠Walter Sauer (Hrsg.), Antoine de Saint-ExupĂŠry (Autor), Christian FrĂśhlich (Ăbersetzer): Der kleene Prinz: Berlinisch. 3. Aufl. Verlag Naumann, Hanau 2009, ISBN 3-940168-64-5.
Audio
⢠Berlinerisch â Berliner Luft und Berliner Schnauze bei der Deutschen Welle. Unter anderem Audioreportage mit HĂśrbeispielen im mp3-Format.
⢠Berlinerisch ist schwer auf YouTube, abgerufen am 2. Juli 2019.
Weblinks
Wiktionary: Berlinerisch
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Berlinisch
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikisource: Berlinische WĂśrterbĂźcher
â Quellen und Volltexte
⢠Ruth Reiher: Berliner Dialekt.
⢠Ressourcen zum Berlinischen. mediensprache.net
⢠WÜrterbuch des Berlinischen. mediensprache.net (ßber 2250 Lemmata, es kÜnnen Ergänzungsvorschläge gemacht werden)
⢠Berliner WÜrterbuch: Einleitung von Peter Schlobinski. mediensprache.net
⢠Berlinisch-Bibliografie von Peter Schlobinski zusammengestellt. mediensprache.net
⢠Berliner WÜrter und Begriffe. MehrwÜchige Serie, die vom 16. Oktober 1995 an im Spreeradio gesendet worden sind. Gesprochen von Peter Schlobinski; mediensprache.net
⢠Schulfilm zum Berlinischen. mediensprache.net â Der Film wurde gesendet im Offenen Kanal, Berlin, und ist eine Ergänzung zu âSprachbetrachtung: Berlinischâ (Schlobinski/Blank 1985) zu betrachten.
⢠Janin WĂślke: âIcke, dette, kiekemal â du weest schon, wat ick meene!â Gibt es noch die âBerliner Schnauzeâ, was ist das Ăźberhaupt und wer spricht noch so in Berlin?, Archivlink
⢠Geschichte der Berliner Mundart
⢠Berlinerisch beim offiziellen Berliner Stadtportal
⢠Berliner WÜrterbuch. berlinstadtservice.de
⢠Berlinerisch-Deutsch. Berlin and More
⢠Der Berliner Dialekt in der Einschätzung der BĂźrger der Stadt (PDF; 143 kB) â Eine repräsentative Umfrage der Gesellschaft fĂźr deutsche Sprache (PDF; 143,44 kB)
⢠Andrada PÄrchiĹanu: Urbanolekte in Deutschland. (PDF; 135 kB) am Beispiel Berlin
⢠Website Dit iss ja knorke!
Einzelnachweise
cite-note-p-rchi-anu-2014-11. â Andrada PÄrchiĹanu: Urbanolekte in Deutschland. In: SYNERGY: Journal of the Department of Modern Languages and Business Communication, Bd. 10, Nr. 2/2014, 2014, S. 310â316, hier S. 311f. ([1]â[2])
cite-note-22. â Elisabeth Berner: Niederdeutsch â Brandenburgisch â Berlinisch â Standardsprache: Entwicklungstendenzen im regionalen VarietätengefĂźge; in: Karl-Heinz Siehr, Elisabeth Berner (Hrsg.): Sprachwandel und Entwicklungstendenzen als Themen im Deutschunterricht: fachliche Grundlagen â Unterrichtsanregungen â Unterrichtsmaterialien. Universitätsverlag Potsdam, Potsdam 2009, ISBN 978-3-86956-003-8, S. 121 ff., hier S. 122 u. 131 ([3]â[4]).
cite-note-33. â Helmut GlĂźck, Michael RĂśdel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 6. Aufl., J.B. Metzler, 2024, S. 91, Stichwort Berlinisch
cite-note-44. â Klaas-Hinrich Ehlers: Mecklenburgisch-Vorpommersch, Mittelpommersch, Brandenburgisch; in: Sprache und Raum: Ein internationales Handbuch der Sprachvariation. Band 4: Deutsch, herausgegeben von Joachim Herrgen und JĂźrgen Erich Schmidt unter Mitarbeit von Hanna Fischer und Brigitte Ganswindt, Reihe: HandbĂźcher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft (Handbooks of Linguistics and Communication Science / Manuels de linguistique et des sciences de communication) (HSK) 30.4, Walter de Gruyter: Berlin/Boston, 2019, S. 590 ff., hier S. 602f.
cite-note-55. â Maritta Tkalec: Sprachgeschichte: Wie das Berlinische zu seinem Wortwitz kam. In: Berliner Zeitung, 15. November 2020.
cite-note-66. â Viertel-Dreiviertel-Verbreitungskarte
cite-note-ostwald-77. Hans Ostwald: Der Urberliner. Paul Franke, Berlin 1928
cite-note-81. Paul Franke Verlag, Berlin 1928, S. 6.
cite-note-99. â Horst Melcher: Mundartliches: Vom Heimatland am Oderrand. Books on Demand, 2019, ISBN 978-3-7494-0242-7 (google.de [abgerufen am 11. August 2022]).
cite-note-honnen-ak-71-ff-1010. â Peter Honnen: Alles Kokolores? â WĂśrter und Wortgeschichten aus dem Rheinland. Greven, KĂśln 2008, ISBN 978-3-7743-0418-5, S. 71 ff.
cite-note-1111. â vergleiche: Icke, icke bin Berlina, wer mir haut, den hau ick wieda nach WĂślke (Memento vom 5. Dezember 2010 im Internet Archive)
cite-note-1212. â Georg BĂźchners Dramenfragment Woyzeck: âIch habâs gesehn, Woyzeck; er hat an die Wand gepiĂt, wie ein Hundâ
cite-note-1313. â Hans Meyer: Der Richtige Berliner in WĂśrtern und Redensarten. 6. Auflage. Berlin 1904, S. 2 (Stichwort Abklawieren) u. vgl. S. XIII Digitalisat. (Memento vom 8. August 2014 im Internet Archive; PDF; 6,5 MB)
cite-note-1414. â Berliner Mundart und weitere SprĂźche. berlin.de
cite-note-1515. â Berliner Fernsehturm auf den Internetseiten der Stadt Berlin; abgerufen am 14. April 2019
cite-note-1616. â Die Ărzte â Die AllerschĂźrfste
cite-note-1717. â Eine Besonderheit der Berliner Sprache ist der unterschiedliche Gebrauch von âickeâ fĂźr âichâ. Der Berliner unterscheidet dabei im gleichen Sinne wie der Franzose zwischen âjeâ und âmoiâ. âickâ entspricht dem persĂśnlichen FĂźrwort âichâ, das mit dem Verb verbunden wird. Dagegen wird das betonte âichâ und âich selbstâ (= âmoiâ im FranzĂśsischen) zu âickeâ.